Niemand ist eine Insel
Wie aus einem puren Egoisten ein warmherziger Freund wird, darum geht es in der Filmkomödie „About a Boy“ aus dem Jahr 2002, die ich neulich zum zweiten Mal gesehen habe. Die vor Wortwitz sprühende Verfilmung des Nick-Hornby-Bestsellers ist nicht nur charmant, lustig, very british, sondern auch sehr tiefsinnig. Denn der charakterlich vollkommen oberflächliche Aufreißer Will widerspricht offen der Redensart „Niemand ist eine Insel“ und vergleicht sich selbst mit Ibiza bis er begreift, dass das Leben als Insel sehr einsam macht und auf Dauer deprimiert.
Das Zitat „Niemand ist eine Insel“, das in dem Film so wunderbar aufgegriffen wurde, stammt von Johne Donne. Was der englische Schriftsteller und Dichter bereits Anfang des 17. Jahrhunderts so bildhaft beschrieben hat, trifft auf das 21. Jahrhundert umso mehr zu: Niemand ist eine Insel! Kein Mensch, kein Unternehmen, keine Nation ist in sich ganz, sondern immer ein Teil von etwas Größerem – überall wird durch Zusammenhalt mehr erreicht als alleine.
Kein Mensch ist eine Insel, ganz für sich allein
Donnes Worte erinnern mich auch daran, an was ich den vergangenen Monaten oft denken musste: Die Kontaktverbote und Abstandsregeln der vergangenen Monate haben viele Menschen unfreiwillig zu Inseln gemacht. Viele haben sich von anderen Menschen zurückgezogen, haben Familie und Freunde nicht besucht. Viele waren allein in ihren Wohnungen und Häusern. Für viele Trauernde, die einen geliebten Menschen verloren haben, war die Begrenzung der Teilnehmerzahl bei einer Trauerfeier ein zusätzlicher Schmerz.
Aber jetzt verändert sich das Leben wieder. Es dürfen sich wieder mehr Menschen treffen. Ich freue mich sehr darüber. So viele Dinge haben für mich in den vergangenen Monaten an Bedeutung verloren. Denn das Wichtigste bleibt: Endlich wieder Freunde treffen, gemeinsam lachen, Erinnerungen teilen, sich austauschen, diskutieren und uns gegenseitig inspirieren, motivieren und trösten.
Das Zitat:
„Niemand ist eine Insel, in sich selbst vollständig; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinentes, ein Teil des Ganzen. Wenn ein Lehmkloß vom Meer fortgespült wird, so wird Europa weniger, gerade so als ob ein Vorgebirge weggespült wäre, oder das Landgut deines Freundes oder dein eigenes. Jedes Menschen Tod ist mein Verlust, denn mich betrifft die Menschheit; und darum verlange nie zu wissen, wem die Stunde schlägt; sie schlägt für dich.“
Zwei Wendungen aus dem Werk John Donnes fanden übrigens Eingang in die Populärkultur: „Niemand ist eine Insel“ wählten Thomas Merton und Johannes Mario Simmel als Buchtitel und „Wem die Stunde schlägt“ ist der Titel eines Romans von Ernest Hemingway.