Jeder trauert anders
Sterben muss jeder. Allerdings gibt es beim Umgang mit Tod und Ausdruck von Trauer große Unterschiede. Jeder Mensch ist geprägt von seiner Erziehung, von seiner Kultur und nicht zuletzt von seiner Erfahrung. In manchen Kulturen sind der Ausdruck von Trauer und der offene Umgang damit etwas Selbstverständliches, in anderen ist es verpönt, sein Leid zu zeigen.
Eine Trennlinie verläuft zwischen Kulturen der westlichen und der nicht westlichen Welt. So sind etwa Klageweiber und lautes Weinen von Hinterbliebenen in Ägypten sowie in einigen ländlichen Regionen Südosteuropas Teil des Trauerprozesses. In der westlichen Gesellschaft hingegen findet die Trauerarbeit vornehmlich im privaten Raum statt. Weinen als Zeichen der Trauer ist auf der Welt zwar weit verbreitet, gehört aber längst nicht in jeder Kultur dazu. Balinesen etwa lächeln angesichts des Todes. Bei ihnen gilt das offene Zeigen der Trauer als ungerecht den anderen gegenüber: Trauer, so glauben sie, sei schädlich für die Gesundheit. Man müsse es begrenzen, um schlimme Konsequenzen zu vermeiden.
Auch die äußerlich sichtbaren Zeichen der Trauer, die sich etwa in der Farbe der Kleidung ausdrückt, unterscheiden sich voneinander. Gilt Schwarz in Mitteleuropa und Nordamerika als Farbe der Trauer, so trauern die Menschen in manchen lateinamerikanischen Ländern in Weiß. In Thailand oder Japan gilt ebenfalls Weiß oder ein helles Grau als Farbe der Trauer und des Todes. Chinesen wiederum nutzen neben Weiß auch Dunkelblau als Trauerfarbe. Im alten Ägypten drückten die Menschen ihre Trauer mit gelber Kleidung aus.
In Mexiko ist der Tag der Toten, spanisch Dia de los Muertos, sogar einer der wichtigsten Feiertage. In der Nacht des 1. auf den 2. November kehren die Toten ins Leben zurück. In ganz Mexiko begeben sich Familien auf die Friedhöfe, um ihre Toten zu ehren. Das Totenfest wird überraschend fröhlich feiernd begangen. Die Mexikaner lassen sich durch den Tod nicht einschüchtern. Stattdessen werden Skelette als Verzierung aufgehängt und Totenköpfe als Zuckergebäck genascht.